
Vorsorge und Früherkennung
Veränderungen erkennen, bevor das Sehen beeinträchtigt wird
Das menschliche Auge ist ein hochkomplexes Sinnesorgan. Viele Augenerkrankungen entwickeln
sich langsam und bleiben über einen längeren Zeitraum unbemerkt. Häufig werden Beschwerden erst
wahrgenommen, wenn bereits ein Teil der Sehfunktion beeinträchtigt ist. Eine regelmäßige
augenärztliche Untersuchung kann helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, individuelle Risiken
einzuschätzen und bei auffälligen Befunden rechtzeitig weitere diagnostische oder therapeutische
Schritte einzuleiten. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Alter, von bestehenden
Erkrankungen, familiären Vorbelastungen und der persönlichen Vorgeschichte ab. Vorsorge sollte
deshalb nicht nach einem starren Schema, sondern individuell geplant werden.
Diagnostik
Moderne Mess- und Bildgebungsverfahren
können zusätzliche Informationen liefern und
Strukturen darstellen, die mit der alleinigen
Untersuchung an der Spaltlampe nicht in
derselben Genauigkeit beurteilt werden
können.
Welche diagnostischen Verfahren eingesetzt
werden, richtet sich nach der individuellen
Fragestellung.
Warum ist augenärztliche Vorsorge sinnvoll?
Das Gehirn kann kleinere oder langsam entstehende Sehveränderungen über einen längeren
Zeitraum ausgleichen. Wird beispielsweise ein Bereich des Gesichtsfeldes schrittweise schwächer,
übernimmt das andere Auge häufig einen Teil der Funktion. Die betroffene Person bemerkt die
Veränderung daher oftmals zunächst nicht.
Auch Schäden am Sehnerv oder Veränderungen an der Makula können bereits vorhanden sein,
obwohl die Sehschärfe im Alltag noch als gut empfunden wird. Erst bei weiterem Fortschreiten
können Schwierigkeiten beim Lesen, beim Erkennen von Gesichtern, beim Autofahren oder bei der
Orientierung auftreten.
Eine rechtzeitige Diagnose ermöglicht jedoch häufig eine bessere Verlaufskontrolle und schafft die
Voraussetzung dafür, eine notwendige Behandlung möglichst früh einzuleiten.
Welche Erkrankungen können lange unbemerkt bleiben?
Zu den Augenerkrankungen, die sich häufig schleichend entwickeln, gehören unter anderem der
Grüne Star (Glaukom), die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Veränderungen der Netzhaut
bei Diabetes, Netzhautveränderungen bei stärkerer Kurzsichtigkeit, frühe Durchblutungsstörungen,
Veränderungen der Hornhaut sowie bestimmte Erkrankungen des Sehnervs.
Nicht jede Veränderung ist automatisch behandlungsbedürftig. Entscheidend ist, Auffälligkeiten
fachärztlich einzuordnen und festzustellen, ob Kontrollen oder weitere Untersuchungen erforderlich
sind.
Für wen kann eine erweiterte Vorsorge sinnvoll sein?
Eine individuelle augenärztliche Vorsorge kann insbesondere in Betracht kommen:
- ab dem mittleren Lebensalter
- bei Glaukom oder AMD in der Familie
- bei stärkerer Kurzsichtigkeit
- bei Diabetes mellitus
- bei längerfristiger Kortisonbehandlung
- nach Verletzungen oder Operationen am Auge
- bei bekannten Auffälligkeiten des Augeninnendrucks
- bei Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs
- bei neu aufgetretenen Veränderungen des Sehens
Wie läuft eine Vorsorgeuntersuchung ab?
Zu Beginn werden Beschwerden, frühere Augenerkrankungen, Operationen, Medikamente und
mögliche familiäre Vorbelastungen erfasst. Anschließend erfolgen die für die jeweilige Fragestellung
vorgesehenen Untersuchungen. Die Ergebnisse werden mit Ihnen besprochen. Werden
Auffälligkeiten festgestellt, wird entschieden, ob eine Verlaufskontrolle, eine weiterführende
Diagnostik oder eine Behandlung erforderlich ist.
Gesetzliche Krankenkasse und Selbstzahlerleistungen
Medizinisch notwendige Untersuchungen bei Beschwerden, auffälligen Befunden oder einem
begründeten Krankheitsverdacht werden über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet.
Zusätzliche Untersuchungen zur individuellen Früherkennung bei beschwerdefreien Patienten können
als Selbstzahlerleistungen angeboten werden. Vor Durchführung informieren wir Sie transparent über
den Untersuchungsumfang und die voraussichtlichen Kosten.
Unser Ziel
Unser Ziel ist es, Ihre Sehfähigkeit möglichst langfristig zu erhalten. Dafür verbinden wir eine
sorgfältige fachärztliche Untersuchung mit modernen diagnostischen Möglichkeiten. Wir beraten Sie
individuell, welche Form der Vorsorge aufgrund Ihres Alters, Ihrer Vorgeschichte und Ihrer
persönlichen Risikofaktoren sinnvoll sein kann.
Augeninnendruckmessung
Wichtiger Risikofaktor für Glaukom. Einzelwert
immer im Zusammenhang mit dem Befund zu
beurteilen.
Beurteilung des Sehnervs
Form, Farbe und Aushöhlung des
Sehnervenkopfes geben Hinweise auf
mögliche Veränderungen.
Optische Kohärenztomografie
(OCT)
Hochauflösende Darstellung und Vermessung
der Nervenfaserschicht und der Makula. Dient
dem Vergleich über die Zeit.
Gesichtsfelduntersuchung
Zeigt funktionelle Einschränkungen, die im
Alltag oft noch nicht bemerkt werden.
Hornhautdickenmessung
Beeinflusst die Einordnung des
Augeninnendrucks und die Beurteilung des
Risikos.
Untersuchung der Netzhaut
Beurteilung von Netzhaut, Makula,
Blutgefäßen und Sehnerv, ggf. bei erweiterter
Pupille.
Ultra-Weitwinkel-Aufnahme
Darstellung großer Netzhautbereiche zur
Dokumentation und Verlaufskontrolle.
